Schlafstörungen bei Demenz: Sanfte Wege zur Ruhe
Schlafprobleme bei Demenz verstehen ✓ Abendroutinen ✓ Lichttherapie ✓ Medikamente ✓ Praktische Hilfe für ruhigere Nächte – für Betroffene & Angehörige
DEMENZ VERSTEHEN
KraftWald
2/4/202610 min lesen


Schlafstörungen bei Demenz -- Sanfte Wege durch unterbrochene Nächte
Beitrag 18
Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung.
Bei gesundheitlichen Fragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
🌙 Wenn die Nacht nicht zur Ruhe kommt
Die Nacht zieht herauf -- doch der Schlaf bleibt aus. Aufwachen, Unruhe, Orientierungslosigkeit: Schlafprobleme bei Demenz sind häufig und besonders belastend -- für die betroffene Person und für Angehörige.
Vielleicht haben Sie schon erlebt, wie die Hände Ihres Angehörigen nachts unruhig werden, oder wie ein vertrautes Lied die Stimmung wieder beruhigt. Solche kleinen Momente sind oft schon ein sanftes Licht in unruhigen Nächten 💚.
Schlaf lässt sich nicht erzwingen -- aber er lässt sich einladen, begleiten und spürbar erleichtern.
🌿 Warum sich Schlaf bei Demenz verändert
Das Gehirn kann Eindrücke und Tagesstruktur nicht mehr automatisch filtern. Tag und Nacht verschwimmen, Orientierung geht verloren.
Neurobiologische Veränderungen
Bei Demenz wird die innere Uhr (zirkadianer Rhythmus) gestört:
Der Suprachiasmatic Nucleus (SCN) -- unser "Schlafzentrum" -- wird geschädigt
Melatonin-Produktion nimmt ab (das Hormon, das uns müde macht)
Die Unterscheidung zwischen Tag und Nacht verschwimmt
REM-Schlaf wird fragmentiert -- Träume können mit Realität verschmelzen
Häufige Symptome:
Einschlafschwierigkeiten 😴 -- Stundenlang wach liegen
Nächtliches Aufwachen -- Mehrfach pro Nacht, oft desorientiert
Bruchstückhafter Schlaf -- Keine Tiefschlafphasen mehr
Umgekehrter Tag-Nacht-Rhythmus -- Nachts wach, tagsüber müde
Nächtliches Wandern (Sundowning) -- Besonders abends/nachts aktiv
Albträume oder Verwirrtheit -- Realität und Traum verschwimmen
Wie häufig sind Schlafstörungen bei Demenz?
Studien zeigen: 60-80% aller Menschen mit Demenz erleben Schlafprobleme.
Das bedeutet:
Sie sind nicht allein mit dieser Herausforderung
Es ist ein normaler Teil vieler Demenzverläufe
Viele Lösungsansätze sind erprobt und wirksam
Warum das passiert:
Körperliche Ursachen:
Schmerzen, die nicht kommuniziert werden können
Harndrang oder Inkontinenz
Nebenwirkungen von Medikamenten
Schlafapnoe (unbemerkt häufig bei Älteren)
Restless-Legs-Syndrom
Psychische Ursachen:
Angst, Unsicherheit
Depression (häufig bei Demenz, oft übersehen)
Einsamkeit
Reizüberflutung vom Tag
Umgebungsbedingte Ursachen:
Zu viel Licht oder Lärm
Unbequeme Bettkleidung
Raumtemperatur zu warm/kalt
Ungewohnte Umgebung
Es ist kein „falsches Verhalten" -- es ist Ausdruck innerer Unsicherheit und Erschöpfung.
🌿 Sanfte Begleitung -- was wirklich hilft
🌿 Rituale einführen
Routinen wirken wie kleine Anker: Tee zur gewohnten Zeit, Lieblingsmusik, Hände waschen vor dem Schlafengehen, vertraute Decke bereitlegen.
Konkrete Abendroutine entwickeln:
18:00-19:00 Uhr -- Ruhiger Übergang
Aktivitäten beenden
Licht langsam dimmen
Fernseher/Radio ausschalten
Vertraute Musik leise im Hintergrund
19:00-20:00 Uhr -- Abendessen & Hygiene
Leichte Mahlzeit
Hände waschen (als Ritual)
Ggf. leichter Spaziergang im Haus/Garten
Toilettengang
20:00-21:00 Uhr -- Vorbereitung
Bequeme Schlafkleidung
Vertraute Gegenstände bereitlegen
Raum lüften, Temperatur prüfen
Nachtlicht einschalten
21:00 Uhr -- Zubettgehen
Immer zur selben Zeit
Vertrauter Satz: "Jetzt ist Schlafenszeit"
Hand halten oder sanfte Berührung
Leise da sein
Wichtig:
Keine langen Erklärungen nötig
Wiederholung schafft Sicherheit
Körperliche Vertrautheit wirkt still und stark
🌿 Vertraute Umgebung bewahren 🕯️
Licht gestalten:
Sanft dimmen (nicht abrupt)
Warmweißes, gedämpftes Licht
Nachtlicht im Flur/Bad
Keine blauen Bildschirme (Handy, TV) vor dem Schlafen
Raum vorbereiten:
Aufgeräumt und gleichbleibend
Vertraute Gegenstände am Bett
Lieblingsdecke oder Kissen
Fotos von geliebten Menschen
Angenehme Raumtemperatur (16-18°C ideal)
Sinnesreize reduzieren:
Leise Naturgeräusche (Regen, Meer) statt Stille
Lavendel- oder Kamillenduft (wenn gewohnt)
Keine tickenden Uhren
Verdunkelungsvorhänge (aber nicht komplett dunkel)
🌿 Ruhige Präsenz zeigen
Körperliche Nähe:
Hände halten, sanft streichen
Kurze Handmassage mit Lavendelöl
Leichtes Klopfen auf den Rücken (beruhigender Rhythmus)
Nahe sitzen, ohne zu drängen
Beruhigende Worte:
Leise, einfache Sätze: „Du bist nicht allein. Ich bin da."
Wiederholende Sätze: „Alles ist gut. Es ist Nacht. Wir schlafen jetzt."
Keine Diskussionen über Fakten („Es ist 3 Uhr, Sie müssen schlafen")
Blickkontakt, Stille, Sicherheit:
Ruhiger Gesichtsausdruck
Langsame Bewegungen
Keine Hektik ausstrahlen
Eigene Atmung verlangsamen (wirkt ansteckend)
🌿 Kleine Schritte ohne Druck
Bei nächtlichem Aufwachen:
Nicht sofort zurück ins Bett drängen
Kurz aufstehen erlaubt
Sanft strecken, Handgesten zulassen
Toilettengang anbieten
Schluck Wasser anbieten
Dann ruhig zurückbegleiten
Tagsüber:
Keine neuen, fordernden Aufgaben am Abend
Alles langsam, ohne Eile oder Zwang
Letzte aktivierende Tätigkeit spätestens um 17 Uhr
🌿 Praktische Impulse für Tag, Abend und Nacht
Tagsüber ☀️
Licht und Bewegung helfen dem Körper, Tag und Nacht zu unterscheiden:
Morgens: Sofort Vorhänge öffnen, Tageslicht nutzen
Vormittags: Wenn möglich, 30 Minuten draußen (Spaziergang, Garten)
Mittags: Helles Licht beim Essen
Nachmittags: Aktivitäten, die wach halten (siehe Beitrag 4: Kreative Tätigkeiten)
Feste Abläufe geben Orientierung:
Mahlzeiten zur gleichen Zeit
Regelmäßige Toilettengänge
Kurze Aktivitätsphasen
Kurze Ruhephasen erlauben -- nicht verhindern, nur begrenzen:
Mittagsschlaf max. 30 Minuten
Nicht nach 15 Uhr
Nicht im abgedunkelten Zimmer
Sitzend im Sessel besser als im Bett
Abends 🌙
Reize reduzieren:
Ab 18 Uhr: keine aufregenden Aktivitäten
Fernseher/Radio leiser oder ganz aus
Besuch vermeiden
Telefonate beenden
Ruhige Stimme:
Langsamer sprechen
Tiefere Tonlage
Weniger Worte
Mehr Pausen
Rituale wiederholen:
Gleiche Abfolge jeden Abend
Gleiche Worte bei jedem Schritt
Gleiche Musik/Geräusche
Vertraute Gegenstände:
Lieblingstasse für Abendtee
Gewohnte Hausschuhe
Vertraute Decke
Fotos am Nachttisch
Sanfte körperliche Nähe:
Gemeinsam Hände waschen
Kurze Massage
Zusammen am Fenster stehen
Hand halten beim Zähneputzen
In der Nacht 🛏️
Wenn Ihr Angehöriger aufwacht:
Ruhe bewahren -- Ihre Gelassenheit wirkt:
Nicht erschrecken oder schimpfen
Tief durchatmen
Langsam reagieren
Leise sprechen, kurze Sätze:
„Es ist Nacht."
„Zeit zum Schlafen."
„Ich bin da."
„Du bist sicher."
Nähe anbieten -- ohne Diskussion:
Nicht über Uhrzeit diskutieren
Nicht erklären, warum es Nacht ist
Einfach da sein
Kleine Gesten:
Händchen halten
Rücken sanft klopfen
Kurze Streckübungen, wenn unruhig
Toilette anbieten
Kleinen Schluck Wasser
Wenn Wandern/Unruhe:
Nicht blockieren oder festhalten
Mitgehen, langsam Richtung Bett lenken
„Komm, wir schauen kurz..." (dann zurück)
Vertrauten Gegenstand in die Hand geben
🌿 Lichttherapie -- Die Kraft des Tageslichts
Studien zeigen: Helles Tageslicht am Morgen kann den Schlaf-Wach-Rhythmus stabilisieren.
Wie es funktioniert:
Tageslicht unterdrückt Melatonin (Schlafhormon) am Tag
Abends steigt Melatonin natürlich wieder
Der Körper lernt: Hell = Wach, Dunkel = Schlaf
Die Wissenschaft dahinter:
Eine Studie im Journal of the American Geriatrics Society (2008) zeigte: Tägliche Lichttherapie (2.500 Lux, 2 Stunden morgens) verbesserte Schlafqualität bei 70% der Teilnehmer mit Demenz.
Praktische Umsetzung:
Morgens (7-9 Uhr):
Sofort Vorhänge öffnen
Wenn möglich: 30 Min. draußen
Alternativ: Lichttherapielampe (10.000 Lux)
Beim Frühstück am Fenster sitzen
Tagsüber:
Räume hell halten
Regelmäßig ans Tageslicht
Keine Sonnenbrille drinnen
Abends (ab 18 Uhr):
Licht dimmen
Warmweiße Lampen
Keine Bildschirme
Kerzenlicht oder Salzlampe
Lichttherapielampen:
Spezielle Tageslichtlampen (10.000 Lux) können helfen, besonders im Winter.
Anwendung:
30 Min. morgens
Abstand ca. 50 cm
Nicht direkt reinschauen
Am besten beim Frühstück
Wichtig: Bei Augenproblemen oder Hauterkrankungen vorher ärztlich abklären!
Wo kaufen:
Beurer TL 30 (~€40)
Philips EnergyUp (~€120)
Medisana LT 460 (~€50)
🌿 Bewegung als Schlafhilfe
Körperliche Aktivität fördert Schlaf -- aber zur richtigen Zeit:
Die Wissenschaft:
Studien zeigen: 30 Minuten moderate Bewegung am Vormittag verbessern Tiefschlafphasen um bis zu 65% bei Menschen mit Demenz.
Vormittags/Mittags -- ideal:
Spaziergang (20-30 Min.)
Leichte Gartenarbeit
Einfache Bewegungsspiele
Tanzen zur Musik
Nachmittags (bis 17 Uhr) -- okay:
Ruhigere Aktivitäten
Kurze Wege
Sanfte Dehnungen
Abends -- vermeiden:
Keine anstrengenden Tätigkeiten
Nur noch sehr sanfte Bewegung
Entspannung statt Aktivierung
Mehr Bewegungsideen: Beitrag 3: Bewegung bei Demenz
💊 Medikamente und Schlaf
Schlafmittel -- mit Vorsicht
Warum Vorsicht nötig ist:
Erhöhtes Sturzrisiko (3-4fach höher)
Verstärkte Verwirrtheit am nächsten Tag
Gewöhnungseffekt (nach 2-4 Wochen)
Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
Paradoxe Reaktionen möglich (mehr Unruhe)
Wenn Schlafmittel erwogen werden:
Immer ärztlich verordnen lassen
Niedrigste Dosis
Kürzeste Zeit (max. 2 Wochen)
Regelmäßige Überprüfung
Besonders problematisch bei Demenz:
Benzodiazepine (z.B. Tavor, Valium)
Z-Substanzen (z.B. Zolpidem, Zopiclon)
Antihistaminika (z.B. Diphenhydramin)
Melatonin -- eine sanftere Option?
Melatonin ist das körpereigene Schlafhormon. Studien zeigen gemischte Ergebnisse bei Demenz.
Mögliche Vorteile:
Natürlicher als synthetische Schlafmittel
Weniger Nebenwirkungen
Kann bei manchen den Rhythmus stabilisieren
Kein Suchtpotenzial
Die Studienlage:
Manche Studien zeigen Verbesserung (bes. bei früher Demenz)
Andere zeigen keinen signifikanten Effekt
Individuelle Reaktion sehr unterschiedlich
Wichtig:
Nicht rezeptfrei in Deutschland erhältlich (verschreibungspflichtig ab 2mg)
Nur nach ärztlicher Rücksprache
Dosierung individuell anpassen (0,5-5mg)
Einnahmezeit wichtig: 1-2 Std. vor dem Schlafengehen
Retard-Form oft besser (wirkt länger)
Wo erhältlich:
Apotheke (verschreibungspflichtig)
Niedrig dosiert (<1mg) manchmal rezeptfrei
Medikamentencheck
Viele Medikamente können Schlaf beeinflussen:
Schlafstörend können sein:
Manche Demenzmedikamente (z.B. Cholinesterasehemmer wie Donepezil)
Blutdruckmedikamente (bes. Betablocker)
Antidepressiva (SSRI können Schlaf stören)
Schmerzmittel mit Koffein
Entwässerungstabletten (Diuretika) -- besser morgens nehmen
Kortison
Besprechen Sie mit dem Arzt:
Welche Medikamente nehmen Sie/Ihr Angehöriger?
Können Einnahmezeiten optimiert werden?
Gibt es Alternativen?
Welche sind wirklich notwendig?
Praxis-Tipp: Medikamentenliste erstellen mit Einnahmezeiten -- zum Arzttermin mitbringen!
🌿 Ernährung und Schlaf
Was und wann gegessen wird, beeinflusst den Schlaf:
Abends förderlich:
Leichte Mahlzeiten (nicht zu spät, nicht zu viel)
Letzte große Mahlzeit: 18-19 Uhr
Kleine Portion reicht
Warme Milch mit Honig (Tryptophan fördert Melatonin)
Tryptophan = Vorstufe von Melatonin
Honig stabilisiert Blutzucker nachts
Banane (enthält Magnesium)
Magnesium entspannt Muskeln
Auch Tryptophan enthalten
Kräutertee (Kamille, Baldrian, Melisse)
Kamille: beruhigend, krampflösend
Baldrian: natürliches Schlafmittel
Melisse: angstlösend
Haferflocken (leicht verdaulich)
Komplex-Kohlenhydrate = stabiler Blutzucker
Enthält Melatonin
Kirschen (natürliches Melatonin)
Sauerkirschen besonders reich
Auch als Saft möglich
Abends vermeiden:
Koffein (Kaffee, schwarzer Tee, Cola) -- ab 14 Uhr
Wirkung bis 6 Stunden
Auch in Schokolade!
Alkohol (stört Schlafphasen, erhöht nächtliches Aufwachen)
Lässt zwar einschlafen
Aber: fragmentierter Schlaf
Schwere, fettige Speisen
Liegen schwer im Magen
Verdauung stört Schlaf
Große Flüssigkeitsmengen (häufiger Harndrang nachts)
Letztes Getränk: 1-2 Std. vor dem Schlafen
Aber: Dehydrierung auch schlecht!
Scharfe Gewürze
Können Sodbrennen auslösen
Aktivieren Kreislauf
Timing:
Letzte große Mahlzeit: spätestens 18-19 Uhr
Kleiner Abendsnack: 20-21 Uhr okay
Letztes Getränk: 1-2 Std. vor dem Schlafen
Mehr zu Ernährung: Beitrag 17: Ernährung bei Demenz
📊 7-Tage Schlaf-Challenge für Demenz
Ein strukturiertes Programm zum Ausprobieren:
Tag 1-2: Licht-Optimierung
✅ Morgens: Sofort Vorhänge auf, 30 Min. draußen
✅ Abends: Licht ab 18 Uhr dimmen
✅ Notieren: Wie war der Schlaf?
Tag 3-4: Abendroutine etablieren
✅ Feste Zeiten: 19 Uhr Essen, 20 Uhr Vorbereitung, 21 Uhr Bett
✅ Gleiche Abfolge beide Abende
✅ Notieren: Gab es weniger Widerstand?
Tag 5-6: Bewegung integrieren
✅ Vormittags: 20-30 Min. spazieren
✅ Nachmittags: Ruhige Beschäftigung
✅ Notieren: War Ihr Angehöriger abends müder?
Tag 7: Alles kombinieren
✅ Licht + Routine + Bewegung
✅ Zusätz: Kräutertee um 20 Uhr
✅ Notieren: Gesamtverbesserung?
Download: 7-Tage-Schlaf-Tracker PDF (Kommt Bald)
🛏️ Schlafmittel vs. Natürliche Methoden -- Vergleich
Methode Wirkung Nebenwirkungen Kosten Empfehlung
Lichttherapie Gut (70% Erfolg) Keine €40-120 einmalig ⭐⭐⭐⭐⭐
Bewegung Sehr gut Keine Kostenlos ⭐⭐⭐⭐⭐
Routine Gut Keine Kostenlos ⭐⭐⭐⭐⭐
Kräutertee Mild Keine €3-5/Monat ⭐⭐⭐⭐
Melatonin Gemischt Gering €15-30/Monat ⭐⭐⭐
Schlafmittel Kurzfristig ja Hoch (Stürze!) €10-40/Monat ⭐ (nur Notfall)
Empfehlung: Immer erst nicht-medikamentöse Methoden ausschöpfen!
❓ Häufige Fragen zu Schlafstörungen bei Demenz
Was tun, wenn Schlaf trotzdem ausbleibt?
Kleine Rituale, sanfte Bewegungen und vertraute Gegenstände können helfen. Geduld und Präsenz sind wichtiger als ständiges Erinnern. Wenn es über Wochen anhält: ärztlichen Rat einholen -- es könnten behandelbare Ursachen dahinterstecken (Schmerzen, Depression, Medikamente).
Kann ich Schlafstörungen verhindern?
Vollständig verhindern lässt es sich selten. Aber Tagesstruktur, Licht, Bewegung und Rituale bereiten den Körper auf die Nacht vor. Je konsequenter die Tagesroutine, desto besser oft die Nacht.
Wie gehe ich damit um, wenn ich selbst müde bin?
Pausen einlegen, vertraute Unterstützung nutzen, kleine Rituale für sich selbst einbauen 💚. Ihre Ruhe ist auch Fürsorge. Siehe auch: Beitrag 20: Wenn Pflege den Schlaf raubt
Sollte ich tagsüber Schlaf verhindern?
Kurze Ruhephasen (max. 30 Min. vor 15 Uhr) sind erlaubt. Wichtiger ist Tageslicht, Bewegung und kleine Aktivitäten, damit Abend und Nacht spürbar werden. Komplettes Wachhalten erzeugt oft mehr Stress als Hilfe.
Wann sollte ich ärztliche Hilfe suchen?
Bei anhaltendem Schlafmangel über mehrere Wochen, wenn Tagesmüdigkeit extrem wird, bei Verdacht auf Schlafapnoe (Schnarchen, Atemaussetzer), bei starker nächtlicher Unruhe, die nicht besser wird, oder wenn Sie als Angehöriger selbst am Limit sind.
Kann Schlafapnoe eine Rolle spielen?
Ja! Schlafapnoe (Atemaussetzer im Schlaf) ist bei älteren Menschen häufig und wird oft übersehen.
Zeichen:
Lautes Schnarchen
Atemaussetzer (Partner beobachtet)
Tagesmüdigkeit trotz "Schlaf"
Morgendliche Kopfschmerzen
Nächtliches Schwitzen
Bei Verdacht: Hausarzt ansprechen → Überweisung ins Schlaflabor → CPAP-Maske kann Schlaf dramatisch verbessern!
Helfen Schlafmittel bei Demenz?
Nur mit größter Vorsicht und ärztlicher Verordnung. Schlafmittel erhöhen Sturzrisiko und Verwirrtheit massiv. Wenn nötig: niedrigste Dosis, kürzeste Zeit. Oft sind nicht-medikamentöse Methoden wirksamer und sicherer.
Was ist mit pflanzlichen Mitteln wie Baldrian?
Baldrian, Hopfen, Passionsblume können mild helfen. Weniger Nebenwirkungen als Schlafmittel, aber auch schwächere Wirkung. Als Tee oder Tablette erhältlich. Vorteil: Kein Suchtpotenzial. Nachteil: Wirkt nicht bei jedem.
Mein Angehöriger verwechselt Tag und Nacht komplett -- was tun?
Das ist der umgekehrte Schlaf-Wach-Rhythmus. Oft hilft:
Morgens: Sofort hell, aktivierend
Tagsüber: NICHT schlafen lassen (wach halten mit Aktivitäten)
Abends: Dunkel, ruhig, Routine
Geduld: Kann 1-2 Wochen dauern, bis Rhythmus sich dreht
Wenn gar nichts hilft -- ist professionelle Pflege die Lösung?
Wenn Schlafprobleme so extrem sind, dass:
Sie als Angehöriger zusammenbrechen
Die Sicherheit gefährdet ist (nächtliches Wandern)
Medizinische Ursachen nicht behebbar sind
Dann kann professionelle Nachtpflege oder vollstationäre Pflege notwendig und richtig sein. Das ist keine Niederlage, sondern Verantwortung.
🌿 Wenn trotz allem nichts hilft
Akzeptanz entwickeln
Manchmal -- trotz aller Bemühungen -- bleibt der Schlaf fragmentiert.
Dann kann helfen:
Den Druck rausnehmen (für beide Seiten)
Schlaf als „Ruhezeiten" neu definieren
Auch ruhiges Liegen ist erholsam
Nicht gegen die Realität kämpfen
Neues Ziel: Nicht 8 Stunden Durchschlaf, sondern 6 Stunden mit 2-3 Unterbrechungen.
Sicherheit gewährleisten
Wenn nächtliches Wandern nicht aufhört:
Zu Hause sichern:
Stolperfallen beseitigen (Teppiche, Kabel)
Nachtlichter installieren (jedes Zimmer)
Türsicherungen (aber keine Einsperrung! -- nur Warnsignal)
Evtl. Sensormatte am Bett (Signal für Angehörige)
Warme Kleidung bereitstellen (falls Person rausgeht)
Technologie nutzen:
GPS-Tracker am Armband (wenn Weglauftendenz)
Babyphone mit Kamera
Bewegungsmelder mit leisem Signal
Professionelle Hilfe
Schlafmedizin:
Schlaflabor kann zugrunde liegende Störungen finden
Spezialisierte Ärzte für Schlafmedizin
Polysomnographie (Schlafuntersuchung)
Ergotherapie:
Tagesstrukturierung
Aktivierende Angebote
Entspannungstechniken
Sensorische Integration
Tagespflege:
Mehr Aktivität am Tag
Entlastung für Angehörige
Strukturierte Tagesabläufe
Sozialer Kontakt
Kosten: Oft teilweise oder ganz von Pflegekasse übernommen!
🌿 Real-Life Beispiele
Frau K., 79 Jahre -- Umgekehrter Rhythmus
Problem: Schlief tagsüber 4-5 Stunden, nachts hellwach und unruhig.
Lösung:
Woche: Tagsüber jede Stunde wecken (kein Nickerchen >20 Min.)
Morgens: 1 Std. im Garten (Licht!)
Lichttherapielampe beim Frühstück (30 Min.)
Feste Bettzeit 21 Uhr
Ergebnis: Nach 10 Tagen schlief sie nachts 6-7 Stunden (mit 2 kurzen Unterbrechungen).
Herr M., 81 Jahre -- Nächtliches Wandern
Problem: Stand jede Nacht 3-4x auf, lief umher, suchte "seine Werkstatt".
Lösung:
Bewegungsmelder am Bett (Signal für Ehefrau)
Warme Kleidung bereit (falls er rausging)
Nachtlichter im ganzen Haus
Nicht zurück ins Bett zwingen, sondern: "Komm, wir schauen kurz..." → dann sanft zurück
Tagsüber: Mehr Bewegung (2x täglich spazieren)
Ergebnis: Wandern blieb, aber wurde sicherer. Ehefrau konnte besser schlafen (Signal statt ständige Wachsamkeit).
Frau S., 84 Jahre -- Medikamenten-Problem
Problem: Trotz Schlafmittel (Zolpidem) extrem unruhig nachts, verwirrt.
Lösung:
Arzt konsultiert → Schlafmittel war URSACHE (paradoxe Reaktion)
Langsames Ausschleichen über 2 Wochen
Stattdessen: Baldrian-Tee, Abendritual, Lichttherapie morgens
Ergebnis: Nach 3 Wochen deutlich besserer Schlaf OHNE Medikament. Weniger Verwirrtheit.
Lektion: Manchmal SIND Medikamente das Problem!
🌿 Verbindung zu anderen Herausforderungen
Schlafprobleme hängen oft mit anderen Themen zusammen:
Sundowning (abendliche Unruhe): Beitrag 19: Sundowning bei Demenz
Erschöpfung bei Angehörigen: Beitrag 20: Wenn Pflege den Schlaf raubt
Tagesstruktur: Beitrag 8: Veränderungen sanft gestalten
Ernährung: Beitrag 17: Was gut tut
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1. 7-Tage Schlaf-Tracker
Dokumentieren Sie Schlafzeiten
Notieren Sie, was geholfen hat
Erkennen Sie Muster
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2. Abendroutine-Checkliste
Schritt-für-Schritt zum Ausdrucken
Zum Abhaken jeden Abend
Visualisiert den Ablauf
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3. Medikamenten-Check Liste
Alle Medikamente eintragen
Einnahmezeiten optimieren
Zum Arztgespräch mitbringen
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Lichttherapielampen:
Beurer TL 30 Tageslichtlampe (~€40) -- Einsteigermodell
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Medisana LT 460 (~€50) -- Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
Schlafhilfen:
Lavendel-Schlafkissen -- Natürlicher Duft
Gewichtsdecke 6kg -- Beruhigend, reduziert Unruhe
Nachtlicht mit Bewegungsmelder -- Sturzprävention
Monitoring:
Babyphone mit Kamera -- Für nächtliche Überwachung
Sensormatte fürs Bett -- Signalisiert Aufstehen
GPS-Tracker Armband -- Bei Weglauftendenz
Hinweis: Als Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen. Für Sie entstehen keine Mehrkosten.
🌿 Ein ruhiger Abschluss
Schlaf lässt sich nicht erzwingen -- aber Nächte können getragen sein von Ruhe, Nähe und Würde.
Jede kleine Handlung zählt:
Ein Tee 🍵
Eine Hand halten 🤲
Ein vertrautes Lied 🎵
Helles Licht am Morgen ☀️
Sanfte Bewegung am Tag 🚶
Rituale am Abend 🌙
Schritt für Schritt, Nacht für Nacht, kann Ruhe entstehen -- für die Person mit Demenz und für Sie.
Sie sind nicht allein. Schlafprobleme gehören zu den größten Herausforderungen bei Demenz -- und es ist völlig in Ordnung, sich Hilfe zu holen.
💚 Ihre Geduld ist Stärke. Ihre Präsenz ist Liebe. Ihre Ruhe ist Fürsorge.
Wichtige Erinnerung:
Wenn Schlafprobleme Sie oder Ihren Angehörigen dauerhaft belasten:
→ Sprechen Sie mit Ihrem Arzt
→ Nutzen Sie Entlastungsangebote
→ Ihre Gesundheit ist genauso wichtig
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