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Bewegung bei Demenz: Wenn der Körper sich erinnert
Bewegung muss nicht erfunden werden sie ist oft schon da. Wie Spaziergänge, Musik und vertraute Tätigkeiten bei Demenz Wohlbefinden schenken, sanft und im eigenen Tempo
BEWEGUNG & MOBILITÄT
KraftWald
12/21/20252 min lesen


Bewegung bei Demenz: Wenn der Körper sich erinnert
Beitrag 3
Es gibt ein Video, das viele Menschen kennen, auch wenn sie den Namen vielleicht nicht mehr wissen.
Marta González war Balletttänzerin. Als das Video aufgenommen wurde, lebte sie in einem Pflegeheim und hatte Alzheimer. Jemand legte Tschaikowskis Schwanensee auf. Und ihre Hände fingen an, sich zu bewegen. Nicht zögernd. Nicht verwirrt. Die Arme hoben sich, die Finger formten die Bewegungen, die sie ein Leben lang gemacht hatte. Irgendwo tief im Körper war die Tänzerin noch vollständig da. Sie starb kurz nach der Aufnahme. Das Video ist noch immer online zu finden. Es lohnt sich, es zu sehen.
Was mich daran bis heute beschäftigt, ist nicht das Außergewöhnliche daran. Es ist das Gewöhnliche. Denn dieselbe Sache, die Marta González in diesem Moment zurückholte, habe ich in kleinerem Maßstab immer wieder gesehen. Marie stand an einem ausgedienten Essenswagen und faltete Wäsche. Handtuch für Handtuch, gleichmäßig, ruhig, konzentriert. Wenn jemand anderes mitmachte und es nicht so tat wie sie, ließ sie es wissen. Ein Laut, ein Blick, unmissverständlich. Die Hände wussten noch genau, was richtig war.
Ruth konnte nicht mehr laufen. Also brachte ich ihr Plastikblumen und Vasen. Als sie fertig war, stellte ich die Vasen im ganzen Zimmer auf. Sie zeigte jedem, der hereinkam, was sie gemacht hatte. Der Stolz war nicht zu übersehen. Die Blumen waren aus Plastik. Das hat keine Rolle gespielt. Es gibt einen Begriff dafür, prozedurales Gedächtnis, Bewegungen, die so tief eingeübt sind, dass sie bleiben, lange nachdem anderes verblasst ist. Aber der Begriff erklärt nicht, was es bedeutet, dabei zuzusehen. Zu sehen, wie jemand, der den Weg zum Frühstückstisch nicht mehr findet, ein Handtuch so faltet wie seit vierzig Jahren.
Der Körper erinnert sich an seinen Platz in der Welt, auch wenn der Kopf ihn nicht mehr benennen kann. Wenn Sie nach etwas suchen, das helfen könnte: Schauen Sie, was die Person früher mit den Händen gemacht hat. Kochen, nähen, bauen, pflanzen, sortieren. Legen Sie es in Reichweite. Machen Sie selbst etwas damit. Und schauen Sie, was passiert.
Manchmal passiert nichts. Manchmal passiert genau das, was Sie nicht erwartet haben.
Haben Sie einen solchen Moment erlebt, groß oder klein? Schreiben Sie gern im Feedback, auch anonym. Und wenn Sie praktische Ideen haben, was bei dem Menschen, den Sie begleiten, funktioniert, nehme ich diese gern in diesen oder einen anderen Beitrag auf.
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