Bewegung und Körperpflege bei Demenz: Würdevolle Begleitung im Alltag
Bewegung und Körperpflege bei Demenz: Praktische Tipps für unruhige Hände, Anziehen und Waschen – würdevoll, ohne Druck und alltagsnah für Angehörige
BEWEGUNG & MOBILITÄT
KraftWald
1/16/20263 min read


Bewegung & Körperpflege bei Demenz – Kleine Gesten, große Wirkung
Beitrag 12
🌿 Wenn der Körper eine Sprache spricht
Die Pflege eines Menschen mit Demenz bringt viele stille Momente mit sich. Momente, in denen Bewegung zur Sprache wird: ein Klopfen der Finger, ein sanftes Wippen des Körpers oder ein Greifen nach einem vertrauten Gegenstand.
Diese Bewegungen sind nicht zufällig. Sie erzählen von Bedürfnissen, von Unruhe, von der Suche nach Halt.
In diesem Beitrag zeigen wir, wie Sie kleine Bewegungen im Alltag begleiten können – würdevoll, ohne Druck und mit Blick für das, was wirklich zählt.
🌿 Kleine Bewegungen, die Halt geben
Manchmal sind es die kleinsten Gesten, die am meisten bewirken:
Finger strecken
Schultern rollen
Sanft die Hände öffnen und schließen
Diese winzigen Bewegungen helfen, Spannung abzubauen und wieder im eigenen Körper anzukommen. Für Menschen mit Demenz sind sie oft ein stiller Weg zur Selbstregulation.
Warum kleine Bewegungen so wichtig sind:
Schon nach kurzer Bewegungslosigkeit kann das Gefühl für den eigenen Körper schwinden. Das verunsichert – und nachts kann Unruhe oder Schlaflosigkeit folgen.
Beispiel: Ein weicher Ball in den Händen, während Ihr Angehöriger Musik hört, gibt etwas zum Greifen. Die unruhige Energie findet einen Weg – und Ruhe kehrt ein.
🌿 Unruhige Hände: Wenn Bewegung beruhigt
Manche Menschen klopfen wiederholt auf den Tisch. Andere nesteln an Kleidung oder zeichnen unsichtbare Muster mit den Fingern.
Das ist keine Nervosität. Es ist Selbstberuhigung.
Der tiefere Grund: Menschen mit Demenz suchen durch Bewegung nach Wahrnehmung. Sie möchten ihren Körper spüren, Gegenstände ertasten, Orientierung finden. Diese Suche ist ein natürlicher Versuch, Halt zu finden.
Beispiel: Wenn Ihr Angehöriger wiederholt auf dem Tisch klopft, bieten Sie einen glatten Holzblock oder ein strukturiertes Tuch an. So kann die beruhigende Bewegung sicher und kreativ fortgesetzt werden – aus Unruhe wird ein ruhiges Ritual.
Mehr über die Bedeutung von Handbeschäftigungen erfahren Sie in Beitrag 2: Von der Unruhe zur Ruhe.
🚶♂️ Drinnen gehen: Sicherheit und Freude
Gehen ist mehr als Bewegung – es kann zu Neugier und Verbindung einladen. Gestalten Sie Wege sicher und angenehm: frei von Hindernissen, rutschfeste Schuhe, langsames, gleichmäßiges Tempo.
Beispiel: Legen Sie einen kleinen Teppich aus oder stellen Sie Pflanzen entlang des Flurs auf. So kann Ihr Angehöriger beim Gehen vertraute Dinge entdecken oder berühren. Ein kurzer Stopp, um ein Foto an der Wand zu betrachten, kann den Spaziergang zu einer sanften, achtsamen Aktivität voller kleiner Freuden machen.
🧘 Sanfte Übungen, die nicht überfordern
Strukturierte Übungen sind nicht immer nötig. Sanfte Routinen im eigenen Tempo fördern Kreislauf, Beweglichkeit und Stimmung – ohne Pflichtgefühl:
Sitzende Dehnungen
Langsame Armkreise
Fußgelenkrotationen
Beispiel: Nach dem Frühstück einfache Hand- oder Schulterkreise zusammen ausführen. Machen Sie es spielerisch: „Mal sehen, wer fünf langsame Armkreise schafft!“ Ziel ist Komfort, Nähe und kleine Erfolge, nicht Leistung.
👕 Anziehen ohne Druck: Einfache Tipps
Kleidung kann für Menschen mit Demenz herausfordernd sein – muss aber nicht stressig sein.
Praktische Strategien:
Kleidung nach fertigen Outfits ordnen
Adaptive Kleidung mit leicht zu öffnenden Verschlüssen nutzen
Genügend Zeit einplanen, nicht drängen
Nur die Körperpartien entkleiden, die gerade angezogen werden
Sanft Auswahlmöglichkeiten anbieten: „Möchtest du heute den blauen oder den grünen Pullover?“
Ablehnung ist kein Misserfolg. Unterbrechen Sie den Vorgang und versuchen Sie es später erneut – so bleibt die Selbstbestimmung gewahrt.
🛁 Körperpflege mit Würde gestalten
Körperpflege ist sensibel. Oft schämt sich Ihr Angehöriger oder empfindet die Pflege als Eingriff in seine Autonomie.
Einfühlsame Ansätze:
Ruhig und behutsam sprechen
Bekannte Waschutensilien zeigen
Intimsphäre wahren – Badezimmertür schließen
Schritte erklären und pantomimisch vorzeigen
Den Angehörigen einbinden, wo möglich
Feste Routinen etablieren – Rituale geben Sicherheit
Weniger ist oft mehr: Tägliches Waschen ist nicht so wichtig wie die Selbstbestimmung.
🏃♀️ Unruhige Bewegungen verstehen
Nesteln, Umherlaufen oder ständiges Wechseln der Position sind Ausdruck von Unruhe, Neugier oder wechselnden Stimmungen. Aufmerksames Beobachten gibt Hinweise:
Ängstlich oder aufgeregt?
Sucht Trost oder Nähe?
Muss zur Toilette?
Hat Schmerzen?
Beispiel: Führen Sie morgens Ihren Angehörigen sanft zu einem Fenster oder Lieblingsstuhl und sprechen Sie über etwas Vertrautes. So entsteht Struktur, ohne Bewegung einzuschränken – und Ihr Angehöriger fühlt sich gesehen und unterstützt.
🌟 Fazit: Kleine Bewegungen, große Fürsorge
Bewegung ist mehr als körperliche Aktivität – sie achtet Autonomie, beruhigt Emotionen und schafft Verbindung. Jede kleine Geste, jeder sanfte Spaziergang und jede geduldige Pflege-Routine zählt.
Denken Sie daran: Wahlmöglichkeiten anbieten, kleine Erfolge feiern – so werden alltägliche Handlungen zu bedeutsamen Momenten der Fürsorge.
🌿 Weiterführende Unterstützung
Ärztinnen und Ärzte konsultieren – Ursachen abklären, Behandlungen anpassen
Selbsthilfegruppen und Austausch mit anderen Angehörigen
Deutsche Alzheimer Gesellschaft – Beratungsstellen & Selbsthilfegruppen
Wegweiser Demenz – Selbsthilfegruppen
Entlastungsangebote der Pflegeversicherung
Kurzzeitpflege, Verhinderungspflege, Entlastungsbeträge
Eigene Pausen einplanen – Selbstfürsorge ist kein Luxus, sondern notwendig
🔗 Weiterführende Beiträge
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